Startseite › Rausfallschutz nachrüsten

Praxis-Ratgeber

Rausfallschutz nachrüsten: was wirklich hält

Die Umwehrung ist zu niedrig, an einer Seite fehlt sie ganz oder das Kind rollt nachts unruhig – dann steht die Frage im Raum, ob man den Rausfallschutz nachrüsten kann. Kurz: Ja, aber nur mit passgenauen Teilen und nur an Betten, deren Konstruktion das vorsieht. Diese Seite zeigt das Prüfmaß, die tauglichen Systeme für obere und untere Ebene – und die Lösungen, die Sie sich sparen sollten.

Das Prüfmaß: 16 cm über der Matratze

Nach DIN EN 747 muss die Oberkante der Umwehrung die fertig belegte Matratze im oberen Bett um mindestens 16 cm überragen. Das ist kein Richtwert, sondern die Untergrenze – und sie wird erstaunlich oft unterschritten, ohne dass am Bett etwas fehlt. Der häufigste Grund ist nämlich gar keine zu niedrige Barriere, sondern eine zu dicke Matratze.

Messen Sie deshalb zuerst nach: Matratze wie im Alltag einlegen, Zollstock senkrecht auf die Liegefläche stellen, Abstand bis zur Oberkante der Umwehrung ablesen. Kommen Sie auf weniger als 16 cm, ist die schnellste Lösung eine flachere Matratze – oben sind maximal 12–16 cm zulässig, passende Höhen zeigt der Matratzen-Ratgeber. Erst wenn die Matratze stimmt und das Maß trotzdem nicht erreicht wird, ist Nachrüsten das Thema.

Improvisierte Lösungen sind gefährlich. Angeschraubte Bretter aus dem Baumarkt, gespannte Gurte, Netze, an den Pfosten verzurrte Leisten oder ein Wall aus Kissen ersetzen keine Umwehrung. Sie halten der seitlichen Belastung eines schlafenden Kindes oft nicht stand und erzeugen schlimmstenfalls neue Fangstellen für Kopf, Arme oder Beine – genau das, was die Norm mit ihren Öffnungsmaßen verhindern soll. Wo nichts Passendes erhältlich ist, gehört das Kind nach unten, nicht hinter eine Bastellösung. Mehr dazu in der Sicherheits-Checkliste.

Obere Ebene: nur Original-Zubehör des Herstellers

Für die obere Liegefläche gilt eine einfache Regel: Es kommt nur dran, was der Hersteller für genau dieses Bett anbietet. Der Grund ist konstruktiv – die Umwehrung leitet ihre Kräfte über definierte Bohrbilder und Beschläge in die Pfosten ein.

Gibt es kein Zubehör mehr – typisch bei alten oder namenlosen Betten –, ist der Tausch die saubere Lösung. Modelle, die von Haus aus mit hoher Umwehrung geliefert werden, stellt der Ratgeber Etagenbett mit Rausfallschutz vor.

Untere Ebene: hier ist mehr möglich

Auf der unteren Liegefläche ist die Fallhöhe gering, und die Norm stellt keine Anforderung an eine Umwehrung. Deshalb dürfen hier auch universelle Bettgitter zum Einsatz kommen, wie man sie vom Kinderbett kennt. Achten Sie trotzdem auf drei Punkte: Das Gitter muss fest mit dem Rahmen oder unter der Matratze verspannt sein, es darf zwischen Gitter und Matratze keinen Spalt geben, in den ein Kind rutschen kann, und es muss zur Liegelänge passen. Für den Übergang vom Gitterbett ist das eine gute Zwischenlösung – wann welches Kind wohin darf, klärt der Beitrag Ab welchem Alter?

Universelle Bettgitter für die untere Ebene gibt es in vielen Längen und Höhen: Auswahl bei Amazon ansehen*. Für die obere Ebene bleibt es beim Zubehör Ihres Bettherstellers.

* Affiliate-Link

Nach dem Nachrüsten: die Kontrolle

Neu montierte Teile setzen sich. Ziehen Sie alle Schrauben nach etwa vier Wochen nach und danach halbjährlich – das gilt ohnehin fürs ganze Bett, siehe Etagenbett wackelt. Greifen Sie anschließend die Umwehrung und rütteln kräftig: Sitzt alles fest? Bleibt die Matratze unter der Markierung? Und ist der Einstieg über Leiter oder Treppe weiterhin frei? Wenn ein Kind zum Aussteigen über die Barriere klettern muss, ist das Nachrüsten nach hinten losgegangen.

Häufige Fragen

Kann ich ein Brett selbst zuschneiden und anschrauben?

Davon raten wir ab. Tragende Sicherheitsbauteile brauchen geprüfte Verbindungen: definierte Schraubenlänge, passende Muffen und Auflagepunkte, die die Kräfte in die Pfosten leiten. Ein selbst gebohrtes Brett schwächt zudem den Pfosten genau dort, wo er tragen muss, und erzeugt leicht Spalte, in denen sich ein Arm verklemmen kann. Wenn kein Original-Zubehör mehr existiert, ist der Wechsel auf ein normgerechtes Bett die sichere Entscheidung.

Reicht es, die Matratze einfach dünner zu wählen?

In vielen Fällen ja – das ist sogar der häufigste und wirksamste Eingriff. Ist die Umwehrung konstruktiv in Ordnung und nur die Matratze zu hoch, stellt eine flachere Matratze mit 12–16 cm die geforderten 16 cm Überstand wieder her. Fehlt die Umwehrung dagegen an einer Seite ganz oder ist sie beschädigt, hilft keine Matratze: Dann muss das Bauteil ersetzt werden, bevor jemand oben schläft.

Braucht die untere Ebene überhaupt einen Rausfallschutz?

Vorgeschrieben ist er nicht, weil die Fallhöhe klein bleibt. Sinnvoll ist er trotzdem, wenn ein jüngeres Geschwisterkind gerade vom Gitterbett wechselt oder unruhig schläft. Ein Bettgitter, das sich absenken oder abnehmen lässt, verschafft eine Übergangszeit von einigen Monaten und verschwindet dann wieder. Viele Betten bieten dafür ab Werk kurze Sicherungsbügel als Zubehör an, die optisch zum Rahmen passen. Achten Sie darauf, dass der Bügel den Einstieg nicht komplett versperrt – das Kind soll allein aus dem Bett kommen, ohne darüber zu klettern.

Verwandte Seiten

Sicherheit & DIN EN 747 · Mit Rausfallschutz · DIN EN 747 im Detail · Matratzen fürs Etagenbett